Die 10 größten Mythen der Ersten Hilfe!

Achtung! Gefährliches Halbwissen.

Herzinfarkt im Supermarkt, Schlaganfall auf der Fernsehcouch oder Atemnot nach Verschlucken in einem Restaurant: Lebensgefährliche Notfälle können jederzeit und überall passieren! Die wenigsten Menschen sind darauf vorbereitet einzugreifen. Bei den meisten Mitmenschen ist der Erste-Hilfe-Kurs 10 bis 15 Jahre her. Auch wenn der Ersthelferkurs erst kurze Zeit zurückliegt, wissen die wenigsten, was sie tun sollen. Oder sie haben Angst etwas falsch zu machen und helfen gar nicht. Die Unterlassung der Hilfeleistung ist jedoch keine Option, zudem strafbar und für die betroffene Person folgenschwerer. In diesem Beitrag beleuchten wir die größten Irrtümer im Bereich Erste Hilfe und erläutern die richtigen Maßnahmen.

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Mythos 1: Beim Motorradunfall den Helm auf keinen Fall abnehmen.

Falsch. Leben geht vor Verletzung! Das Risiko für Bewusstlose, im Helm an Erbrochenem zu ersticken, ist weitaus größer als die Wahrscheinlichkeit eines Folgeschadens durch die Helmabnahme. Beim Abnehmen des Helmes sollte die Halswirbelsäule gestützt werden, damit der Kopf nicht zur Seite fällt. Gerade, wenn noch weitere Helfer*innen an der Unglücksstelle sind, kann man zu zweit vorsichtig den Helm entfernen. Wenn die Person bei Bewusstsein ist und die Atemwege frei sind, sollte der Helm auf dem Kopf verbleiben.

Mythos 2: Wenn ein Kind eine giftige Substanz schluckt, dann sollte man immer Salzwasser zum Erbrechen geben.

Irrtum. Gerade ätzende Substanzen würden beim Erbrechen ein zweites Mal die Speiseröhre angreifen, während bei anderen Substanzen die Gefahr besteht, dass durch das Übergeben Fremdkörper in die Atemwege gelangen und so zum Ersticken führen. Salzwasser kann zudem bei Kleinkindern tödlich sein. Auch Milch ist gefährlich, denn ihr Fett beschleunigt die Aufnahme in den Körper. Die Gift-Notrufzentrale (Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern 0361 730 730) gibt dir je nach Substanz die richtige Anleitung, was zu tun ist. Sollten bereits Vergiftungssymptome (Erbrechen, Übelkeit, Bewusstseinsstörung) auftreten, rufe sofort die 112 an!

Mythos 3: Eine blutende Extremität bindet man am besten ab.

Stimmt nur zum Teil. Die Anlage eines Druckverbandes wird empfohlen. Dabei wird eine nicht ausgerollte Mullbinde auf die Wunde gedrückt und mit einer weiteren Binde fixiert. So wird das Bein oder der Arm weiter durchblutet. Kommt es trotz eines Druckverbandes nicht zur Blutstillung, ist das Abbinden eine legitime Maßnahme. Abbinden bedeutet, dass die Blutzufuhr zum Arm oder Bein beispielsweise mit einem Gürtel, der oberhalb der blutenden Wunde angebracht wird, gestoppt wird. Dadurch wird die Durchblutung der gesamten Extremität unterbunden. Es kann zu vermeidbaren Folgeschäden, wie z. B. Nervenschäden oder der Verlust der ganzen Gliedmaße kommen.

Mythos 4: Bei Verstauchungen, Verdrehungen und Knochenbrüchen hilft Wärme.

Irrtum. Schwellungen, wie sie bei solchen Verletzungen vorkommen, werden durch Wärme erhöht. Stattdessen helfen hier Eis oder kühle Kompressen. Eis sollte aber nie direkt auf die Haut angewendet werden, sondern eingewickelt in einem Tuch. Die Kühlung sollte nicht länger als 20 Minuten dauern.

Mythos 5: Beine hochlegen, hilft immer.

Nein. Die Schocklage kann bei bestimmten Erkrankungen wie einem Herzinfarkt oder massiver Luftnot die Symptomatik verstärken. Geeignet ist die Schocklage bei Kreislaufschwäche, etwa bedingt durch zu niedrigen Blutdruck oder einem zu hohen Blut-/Flüssigkeitsverlust.

Mythos 6: Wenn man einen Fremdkörper im Auge hat, dann kann man diesen durch Reiben entfernen.

Stimmt teilweise. Ist der Fremdkörper aus Metall, Holz oder Kunststoff, so soll kein Versuch unternommen werden, den Fremdkörper zu entfernen. Es kann zu weiteren Verletzungen des Auges führen. Kleinste Partikel (Sandkörnchen, Staub oder Insekten) können mit einem sauberen Tuch vorsichtig entfernt werden.

Mythos 7: Den Verletzten sollte man nicht vom Unfallort wegtragen.

Das ist falsch. Leben geht vor Verletzung! Das Risiko, als Ersthelfer im Straßenverkehr verletzt zu werden, ist groß. Selbstschutz hat oberste Priorität. Verletzte Personen sollten möglichst schnell aus einem Gefahrenbereich gebracht werden. Eine weitere wichtige Maßnahme ist die weiträumige Absicherung des Unfallortes.

Mythos 8: Allergische Reaktionen auf Bienenstiche können zu Hause behandelt werden.

Falsch. Die Verzögerung der ärztlichen Behandlung allergischer Reaktionen, die Atemwege betreffen, kann fatal sein. Bei Symptomen wie Atemnot sollte unverzüglich der Rettungsdienst (112) alarmiert werden.

Mythos 9: Verbrennungen sollten immer mit kaltem Wasser gekühlt werden.

Irrtum. Eine Verbrennung kann die Temperaturregulation des Körpers bereits erheblich stören. Die Praxis hat verdeutlicht, dass Kühlen durch Ersthelfer*innen immer wieder zu lebensbedrohlichen Temperaturverlusten geführt hat! Eine Unterkühlung birgt eine Reihe von schwerwiegenden Komplikationen wie z.B. Infektionen, Gerinnungsstörungen, die insbesondere bei Verbrennungen zu einer verzögerten Wundheilung führen. Kleinflächige Verbrennungen können maximal 10 Minuten mit lauwarmem Wasser „gekühlt“ werden, wenn dies unmittelbar erfolgt.

Mythos 10: Anwendung von Butter zur Linderung von Verbrennungen.

Unsinn. Wenn Butter oder andere ölige Substanzen bei Verbrennungen der Haut eingesetzt werden, kann das dem Arzt die Behandlung erschweren und Infektionen hervorrufen. Die Verbrennung sollte durch das Auflegen von sterilen Tüchern sauber gehalten werden.