Rettungsgassen können Leben retten! Aber wie wird sie richtig gebildet?

Wenn Feuerwehr, Notärzte, Rettungssanitäter oder die Polizei zu einem Unfallort fahren, entscheiden oft wenige Minuten über Leben oder Tod der Unfallopfer. Doch immer wieder versperren Autofahrer den Rettungskräften den Weg und sorgen für Verzögerungen. Wie die Notgasse richtig gebildet wird und welche Strafen Blockierern drohen, beschreiben wir in diesem Beitrag.

Rettungsgasse frühzeitig bilden.

Was viele nicht wissen: Die Rettungsgasse muss bereits dann gebildet werden, wenn der Verkehr stockt. Also er Schrittgeschwindigkeit erreicht. Wenn die Rettungskräfte mit Blaulicht und Martinshorn von hinten kommen, ist es auf Grund von Platzmangel oft nicht mehr möglich. Deswegen ist es besonders wichtig, frühzeitig zur entsprechenden Seite zu fahren. So trägst du dazu bei, dass verletzte Personen schnellstmöglich Hilfe erhalten.

Übrigens: Die Rettungsgasse ist in der Straßenverkehrsordnung festgehalten und somit Pflicht.

Nach § 11 Abs. 2 StVO gilt: „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Wie wird die Rettungsgasse richtig gebildet?

Die Rettungsgasse ist immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden.

Fährst du auf dem linken Fahrstreifen, so weiche nach links aus. Bist du auf dem übrigen Fahrstreifen unterwegs, so fahre nach rechts.

Dies gilt unabhängig davon wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. Denke immer daran, dass im Notfall keine Zeit verloren werden darf!

Wie eine Rettungsgasse auf der zwei-, drei- oder vierspurigen Autobahn gebildet wird, zeigt sehr anschaulich dieses Video:

Was ist bei der Bildung einer Rettungsgasse noch zu beachten?

Sobald sich ein Stau anbahnt:
– Passe dein Tempo an und achte auf den Sicherheitsabstand.
– Ist das Stauende in Sicht, schalte den Warnblinker an und bremse möglichst sanft ab.  
– Lasse ausreichend Platz zum Vordermann. Dann kannst du im Notfall reagieren und auf den Standstreifen ausweichen, falls das nachfolgende Fahrzeug   
  nicht bremst. Halte deswegen stets den Rückspiegel im Blick!

– Setze erst den Blinker und fahre dann zur Seite. Sonst drohen im Tumult weitere Unfälle. Das Heck sollte anschließend nicht in den Bereich der
  Rettungsgasse ragen.

Darf der Standstreifen befahren werden?

Der Standstreifen ist grundsätzlich freizuhalten! Nur im Notfall oder z. B. nach Aufforderung der Polizei darf er befahren werden. Auch wenn aus Platzgründen keinerlei Möglichkeit besteht, eine Rettungsgasse zu bilden, ohne den Standstreifen mitzubenutzen, dann ist das Ausweichen auf den Standstreifen ausnahmsweise zulässig.

Wie verhalte ich mich im Bereich einer Baustelle mit Fahrbahnverengung?

An engen Baustellen kann es schwierig sein, eine Rettungsgasse zu bilden. Versuchen Sie dort, möglichst weit links bzw. rechts zu fahren. Zusätzlich ist es sinnvoll, versetzt und mit entsprechendem Abstand zum Vordermann zu fahren. Bei engen Fahrstreifen kann es im Einzelfall zusätzlich erforderlich sein, den Mittelstreifen auf der linken Seite bzw. die Standspur auf der rechten Seite zu benutzen.

Gibt es Ausnahmeregelungen für Motorräder?

Eine Ausnahmeregelung für Kraftradfahrer besteht nicht. Motorradfahrer können zwar problemlos zwischen stehenden Autos langsam weiterfahren, dürfen das aber nicht. Das Durchfahren gilt als unerlaubtes Rechtsüberholen – es droht ein Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

Muss ich auch im Ausland eine Rettungsgasse bilden?

Vergleichbare Regeln zur Bildung einer Rettungsgasse gibt es neben Deutschland auch in der Schweiz, Slowenien, Ungarn und Tschechien. In Österreich ist die Bildung und das Freihalten einer Rettungsgasse im Verkehrsgesetz verankert. 

Welche Strafen drohen Blockierern?

Wer sich nicht an die gesetzliche Regelung hält und dadurch Rettungseinsätze behindert oder ihren Einsatz verzögert, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Wer bei stockendem Verkehr etwa auf einer Autobahn keine Notgasse bildet, muss statt bisher 20 Euro künftig mindestens 200 Euro berappen – im schwersten Fall sogar 320 Euro verbunden mit einem Monat Fahrverbot. Laut veränderter Bundesverordnung sollen zudem generell mindestens 240 Euro und ein Monat Fahrverbot drohen, wenn Autofahrer Einsatzwagen mit Blaulicht und Einsatzhorn nicht sofort freie Bahn verschaffen – auch unabhängig von einer Rettungsgasse.

Die Bußgelder fallen im Ausland in der Regel höher aus als in Deutschland. In Österreich z.B. ist mit einer Strafe von bis zu 726 Euro zu rechnen; bei Behinderung von Einsatzfahrzeugen kann die Geldstrafe dort sogar bis zu 2180 Euro betragen.