Urlaubszeit ist Reisezeit! Wie du dich bei einem Verkehrsunfall richtig verhältst.

Die Sommerferien in Sachsen haben begonnen und auch in anderen Bundesländern hat die Sommerreisezeit längst die Autobahnen erreicht. Bei dieser Verkehrsdichte kommt es auch immer wieder zu Unfällen. Wie du dich im Falle eines (Un)Falles richtig verhältst und Erste Hilfe leisten kannst, beschreiben wir dir hier.

1. Anhalten

Schau nicht weg! Gebe die Verantwortung nicht an den Autofahrer hinter dir weiter! Halte an, wenn ein Unfall vor dir auf der Straße oder Autobahn passiert. Denn DU kannst helfen! Vergewissere dich, ob Personen verletzt sind und Hilfe benötigen.
Warum viele Autofahrer bei einem Unfall dennoch nicht helfen, zeigt dieses Video aus  dem Quarks-Archiv (TV-Erstausstrahlung 2007). Ein inszenierter Autounfall soll zeigen, wie viele nachfolgende Autofahrer helfen. Das Ergebnis: Viele ignorieren den sichtlichen Autounfall und fahren weiter. Auch wenn viele Passanten bei unserem Test geholfen haben, hätten die Verletzten bei einem echten Autounfall dennoch gefährlich lange auf Hilfe warten müssen!

2. Eigenschutz und Absichern der Unfallstelle

Warndreieck vor einem Unfallort

Um dich und andere Verkehrsteilnehmer*innen nicht zu gefährden, ist der Eigenschutz und das Absichern der Unfallstelle erste Pflicht!. 

– Stelle dein Auto in 10 bis 20 Meter Sicherheitsabstand ab. 
– Schalte deine Warnblinkanlage ein.
– Ziehe dir eine Warnweste an. So wirst du von den anderen Verkehrsteilnehmer*innen besser gesehen.
– Platziere ein Warndreieck. Orientiere dich dabei an der Höchstgeschwindigkeit in Metern.  
  Beachte Kreuzungen oder Einfahrten! Bei Kurven oder Bergkuppen stelle das Warndreieck davor auf!

3. Notruf absetzen.

Nähere dich dem betroffenen Fahrzeug und verschaffe dir einen Überblick:
– Wie viele Personen sind verletzt?
– Welche Verletzungen haben sie?
– Ist Gefahr in Verzug, z.B. durch einen Gefahrgut-Transport oder auslaufenden Kraftstoff?

Setze dann einen Notruf ab und helfe anschließend den verletzten Personen aus dem Fahrzeug bzw. von der Fahrbahn. Leiste schnellst möglich Erste Hilfe. Hole weitere Hilfe dazu! 

4. Erste Hilfe leisten.

Leiste Erste Hilfe je nach Zustand der betroffenen Person/-en. Die Betreuung und die Wärmeerhaltung der verletzten Person sind wichtige Maßnahmen. Atmet die Person und ist aber ohne Bewusstsein, bringe sie in die stabile Seitenlage. Versorge ggf. kleinere Wunden mit einem Verband oder Pflaster.

Atmet die verletzte Person aus dem Auto nicht mehr, beginne sofort mit einer Herzdruckmassage (im Wechsel 30x Herzdruckmassage, 2x Beatmung) bis der Rettungsdienst eintrifft. 

Der Rautekgriff

Retten einer (bewusstlosen) Person aus dem Auto.

  • Löse den Gurt und schneide ihn im Notfall durch.
  • Fasse die betroffene Person an der fernen Hüfte und am nahen Knie und drehe sie somit mit dem Rücken zu Tür. Falls ein Gürtel vorhanden ist, nimm diesen zur Hilfe.
  • Benutze nun den Rautek- bzw. Rettungsgriff, um die Person aus dem Auto zu ziehen. Schiebe dafür deine Arme unter die Achseln der Person im PKW und fasse mit beiden Händen einen Unterarm der Person. Achte dabei auf deine Daumen! Sie sollten ….
  • Ziehe nun die betroffene Person aus dem Fahrzeug und lege sie außerhalb des Gefahrenbereichs (ca. 10 Meter) ab. Leiste nun Erste Hilfe!
  • Wenn du die verletzte Person nicht allein aus dem Auto ziehen kannst, hole dir Hilfe!
  • Ist die Person im Fahrzeug eingeklemmt, versuche eine Betreuung zu gewährleisten.

5. Gefahrgut

Ist ein Fahrzeug mit gefährlichen Gütern am Unfall beteiligt, erkennst du das an einer orangefarbenen Tafel. 

Orangefarbene Tafel am Fahrzeug

Die oberen Zahlen beschreiben die Reaktionen beim Austreten der Gefahrenstoffe (z.B. Zahlengruppe 33 entzündbare flüssige Stoffe). Die unteren Zahlen beschreiben den Stoff, der transportiert wird (z.B. 1203 für Benzin). Ein X vor der Nummer bedeutet: Der Stoff reagiert gefährlich mit Wasser!
Wichtig! Gib beim Notruf an, ob eine orangefarbene Tafel, z.b. an einem verunfallten LKW, zu erkennen ist. Achte bei Gefahrgutunfällen immer auf den Eigenschutz, besonders die Windrichtung ist bei austretenden Gasdämpfen zu beachten.

6. Rettungsgasse

Sobald der Verkehr stockt, denke an die Rettungsgasse! Nur so können Rettungskräfte den Unfallort erreichen und wichtige Erste Hilfe leisten. Jeder Autofahrer auf einer mehrspurigen Straße ist gesetzlich dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse freizumachen. Nach § 11 Abs. 2 StVO gilt:

„Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Dabei ist die Rettungsgasse immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden. Fährst du auf dem linken Fahrstreifen, so weiche nach links aus. Bist du auf dem übrigen Fahrstreifen unterwegs, so fahre nach rechts. Dies gilt unabhängig davon, wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. Denke immer daran, dass im Notfall keine Zeit verloren werden darf.

Eine Rettungsgasse wird gebildet.