Winteranfang! Erste-Hilfe-Maßnahmen für Säuglinge und Kinder bei Unterkühlung.

Kind bei der Schlittenfahrt
Im Schnee Schlittenfahren ist toll, aber schnell wird besonders Kleinkindern kalt dabei!

Heute, am 21. Dezember 2018, ist Wintersonnenwende! Sie markiert den Beginn des kalendarischen Winters 2018. Hier in Leipzig scheint der Winter zwar noch weit entfernt, aber in anderen Regionen fällt schon Schnee und bleibt sogar liegen. Wenn Oma und Opa über Weihnachten und Silvester nun in Oberwiesenthal oder anderen schneereichen Höhenlagen besucht werden, steht einem Schneeabenteuertag in den Weihnachtsferien nichts mehr im Wege.

Schnee ist für kleine Kinder immer wieder faszinierend. Am liebsten würden sie stundenlang im weißen kalten Nass herumtollen, Schneebälle werfen, Schneeengel kreieren oder Schlittenfahren. Aber irgendwann fangen wir alle an zu frieren. Kleine Kinder haben hier gleich mehrere Probleme: Sie werden oft viel zu dick eingepackt und können sich kaum noch bewegen. Vielleicht werden sie auch auf dem Schlitten gezogen, ohne einen Finger rühren zu müssen.

Wie du eine Unterkühlung bei deinem Baby oder Kind feststellst.

Ein unterkühltes Kind zittert stark, hat Gänsehaut und bekommt blaue Lippen. Dadurch beginnt es auch, undeutlich zu sprechen. Kleinere Kinder weinen vielleicht, weil sie sich nicht wohl fühlen.

Besonders bei Säuglingen kann es schnell zu einer Unterkühlung kommen, da sie noch nicht in der Lage sind, eigene Wärme durch aktive Körperbewegung oder Kältezittern zu erzeugen. Zudem ist bei ihnen das Verhältnis zwischen Hautoberfläche und dem Rest des Körpers wesentlich größer als bei Erwachsenen. Ausschlaggebend ist die Körperkerntemperatur. Sie bewegt sich je nach Tagesrhythmus um 37 Grad Celsius. Nur sie wird reguliert.

Von einer Unterkühlung spricht man, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad fällt. Die kritische Marke liegt bei etwa 30 Grad. Wenn über einen längeren Zeitraum die Wärmeabgabe des Körpers größer ist als die Wärmeproduktion, dann spricht man von einer Unterkühlung.

Eine rote Nase ist ok.
Kleinkind sitzt im Schnee
Eiskalte Hände sind ein Alarmzeichen!

Achte deshalb bewusst darauf, dass dein Baby warm genug angezogen ist, vor allem, wenn es im Kinderwagen draußen schläft bzw. habe stets einen warmen Fußsack oder eine Decke dabei. Feucht gewordene Kleidung solltest du umgehend wechseln.

Je nach Ausmaß der Unterkühlung unterscheidet man drei Ausprägungen: Erregungs-, Erschöpfungs- und Lähmungsstadium


Die drei Stadien der Unterkühlung

  1. Im Erregungsstadium (Körperkerntemperatur 32 bis 35 Grad) wehrt sich der Körper gegen das Auskühlen, indem er versucht – zum Beispiel durch Kältezittern – Wärme zu produzieren. Parallel dazu wird die Körperoberfläche weniger durchblutet, um die Wärmeabgabe zu stoppen. Die Haut wird blass, an Händen, Füßen und Lippen bläulich. Dein Kind ist bei Bewusstsein und erregt, hat einen schnellen Herzschlag und eine tiefe Atmung.

      Säuglinge zittern nicht, wenn sie unterkühlt sind. Ihr Körper schafft diese Selbsthilfemaßnahme noch nicht, mit der er sich selbst aufwärmen kann. Du musst also regelmäßig mit einem tiefen   
      Griff in den Nacken nachfühlen, ob es deinem Baby im Kinderwagen oder auf dem Schlitten zu kalt wird. Prüfe am besten direkt vor dem Verlassen des Hauses, wie warm sich dein Baby
      „normal“ anfühlt, um später einen Vergleich zu haben.

Erste-Hilfe-Maßnahmen im ersten Stadium:

  • Beruhige dein Kind, und bringe es an einen warmen Ort (z.B. einem zimmerwarmen Raum).
  • Beginne es vom Rumpf her aufzuwärmen. Wichtig ist, dass du das langsam tust, um einen Kreislaufschock zu vermeiden. Also keinesfalls in heißes Badewasser legen.
  • Kind zum Bewegen anregen, aber nicht massieren!
  • Ist die Kleidung nass, entferne sie, und wickele dein Kind in eine warme Decke (Rettungsdecke!). Bitte beachte: Liegt dein Kind im Freien, und du hast nichts Wärmendes, mit dem du dein unterkühltes Kind bedecken könntest, lasse die Kleidung an.
  • Bist du draußen unterwegs, kannst du dein Baby als Notfallmaßnahme mit in deine eigene Jacke oder unter deinen Pullover nehmen und sie mit deiner Körpertemperatur wärmen.
  1. Im Erschöpfungsstadium (Körperkerntemperatur 30 bis 32 Grad) wird dein Kind teilnahmslos und starr. Die Haut hat eine gräulich-bläuliche Färbung. Lagere dein Kind flach, wickele es in warme Decken und wenn möglich zusätzlich auch noch in eine Rettungsdecke. Kontrolliere zwischendurch immer wieder den Bewusstseinszustand, die Atmung und die Körpertemperatur. Rufe den Notarzt!

    Ist dein Kind bei Bewusstsein, versuche, ihm schluckweise ein warmes, gezuckertes Getränk (zum Beispiel Tee) einzuflößen. Kommt es zur Unterkühlung, setzt der Körper seine ganze Energie daran, den Körperstamm mit seinen zentralen Organen Herz und Lunge zu wärmen und vernachlässigt die Extremitäten. Das bedeutet, dass das Blut dort kälter ist. Deshalb sollten bei einem Kälteopfer sowohl aktive als auch passive Bewegungen der Arme und Beine unterlassen werden, um zu vermeiden, dass das kalte Blut aus den entlegeneren Körperregionen zum Körperstamm fließt und die Temperatur noch weiter sinkt (Schockgefahr). Aus demselben Grund darf auch die Haut nicht massiert werden.

  2. Im Lähmungsstadium (Körperkerntemperatur unter 30 Grad) wehrt sich der Körper nicht mehr gegen die schwere Unterkühlung. Dein Kind schwebt in akuter Lebensgefahr! Die Atmung wird langsamer, Pulsfrequenz und Blutdruck sinken. Das Schmerzempfinden lässt nach, das Kältezittern hört auf und es tritt eine Muskelstarre ein. Rufe umgehend den Notarzt. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes lagere dein Kind flach, decke es zu, um ein weiteres Auskühlen zu verhindern und kontrolliere permanent Atmung und Puls. Wird dein Kind bewusstlos, bringe es in die stabile Seitenlage.

    Im weiteren Verlauf können Atem- und Kreislaufstillstand eintreten. Für den Fall beginne unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Unternehme keine Aufwärmversuche. Bewege dein Kind nicht und massiere nicht seine Haut. 

Erste-Hilfe-Maßnahmen im zweiten und dritten Stadium:

  • Lege dein Kind flach hin und packe es warm ein (wenn möglich, zusätzlich noch Rettungsdecke!).
  • Rufe den Notarzt!
  • Ist dein Kind bei Bewusstsein, flöße ihm ein warmes gezuckertes Getränk ein.
  • Bewege die Arme und Beine deines Kindes möglichst nicht, um Herzrhythmusstörungen zu vermeiden.
  • Massiere dein Kind nicht, damit das kältere Blut von außen die Kerntemperatur nicht noch weiter absenkt.
  • Ist dein Kind bewusstlos, fange mit Beatmung und/oder Herzdruckmassage an.

Hast du weitere Fragen zur Unterkühlung bei Säuglingen oder Kindern und zu den richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen? In unseren Kursen ab Ende Januar 2019 beantwortet unser erfahrener Trainer dir diese gern. Aktuelle Termine und weitere Informationen findest du ab Anfang Januar hier